Gedanken zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern
Die Geschäftsführerin der Diakonie Nord Nord Ost in Mecklenburg, Kirsten Balzer, im Interview.
In Mecklenburg-Vorpommern wird am 20. September 2026 ein neuer Landtag gewählt. Auch für die Diakonie Nord Nord Ost in Mecklenburg haben die Wahl und der Einsatz für die Demokratie eine große Bedeutung. Ein Interview mit Geschäftsführerin Kirsten Balzer zur aktuellen Stimmung.
Frau Balzer, wie nehmen Sie die Stimmung in Mecklenburg-Vorpommern vor der Landtagswahl wahr?
Kirsten Balzer: Nach den Wahlen in Sachsen-Anhalt ist die Atmosphäre angespannt und es steht die Frage im Raum, wie es auch in unserem Bundesland weitergeht. Kriege, der Klimawandel, der Reformkurs der Bundesrepublik, aber auch neue KI-Systeme beschäftigen uns und bereiten Sorge, Angst und auch Frustration. Wenn dann auch noch der Eindruck entsteht, dass die Politik die Menschen aus dem Blick verloren hat, folgen oft Resignation oder Wut. Das ist erstmal verständlich, aber die Frage ist, wie mit dieser Stimmung dann umgegangen wird?
Und was würden Sie auf diese Frage antworten?
Kirsten Balzer: Ich finde es wichtig, aktiv zu werden und sich auf das zu berufen, was wir schon alles erreicht haben und zwar im Großen in unserer Gesellschaft und im Kleinen in der Diakonie Nord Nord Ost - und welche Möglichkeiten unsere Demokratie uns auch für die Zukunft bietet. Zum Beispiel können die Wahlprogramme der Parteien oder auch der „Wahl-O-Mat MV 2026“ Orientierung liefern: Welche Parteien bieten gute Ideen und Lösungen für die eben genannten Herausforderungen? Und welche nicht? Welche machen sich wirklich stark für unsere Gemeinschaft? Welche wollen uns spalten und Menschen ausgrenzen? Durch unsere Entscheidung bei der Wahl gestalten wir mit, ob Ideen und Lösungen umgesetzt werden können oder nicht - und in welche Richtung sich unsere Gesellschaft entwickelt. Wer seine Stimme bei der Wahl für Protest nutzen möchte, sollte sich überlegen, ob ein reines „Protestkreuz“ nicht doch zu falschen Entwicklungen führt. Gleichzeitig sind wir alle einzeln gefragt: Häufig wird beklagt, dass unser Umgang miteinander mehr und mehr „erkaltet“, wir einander nicht mehr zuhören und Diskussionen immer weniger sachlich geführt werden. Das hat jede und jeder von uns in der Hand.
Inwieweit steht die Diakonie Nord Nord Ost für den demokratischen Rechtsstaat ein?
Kirsten Balzer: Im Grunde tun wir das mit unserer Arbeit jeden Tag und jede Minute. Alle, die hier arbeiten, übernehmen Verantwortung für unsere Gesellschaft und unseren Zusammenhalt, indem wir Menschen unterstützen, die Hilfe brauchen. Wir hören ihnen zu und geben ihnen bei Bedarf auch eine Stimme. Wir respektieren jeden Menschen und nehmen jeden Menschen in seiner Einzigartigkeit an. Es ist egal, welche Herkunft, welche Religion, welche sexuelle Orientierung oder welches Geschlecht er hat. Mit unserem täglichen Einsatz leisten wir einen großen Beitrag zur sozialen Sicherheit in unserer Gesellschaft, denn wir holen Menschen vom Rand in die Mitte der Gemeinschaft und lassen niemanden mit seinen Sorgen und Nöten allein. Ich finde auch bemerkenswert, wie weit wir in unserem Land in den letzten Jahren beispielsweise bei den Themen Inklusion, Teilhabe und Gleichberechtigung gekommen sind. Dass es politische Kräfte gibt, die hier das Rad wieder zurückdrehen wollen, macht mich schlicht fassungslos.
Was möchten Sie den Menschen vor der Wahl noch gerne mit auf den Weg geben?
Kirsten Balzer: Bestimmt haben viele die Plakate und die Social Media-Kampagne der Nordkirche wahrgenommen. Unter dem Motto „Zusammenhalt“ hat sie überall in Mecklenburg-Vorpommern gezeigt, worum es im Kern geht. Nämlich, dass wir alle zusammenhalten und einander mit Toleranz begegnen. Gerade, weil wir so vielfältig sind. Wir leben in einer freien, weltoffenen, bunten Gesellschaft. Das ist wertvoll und ein hohes Gut. Mein Appell ist deshalb: Gehen Sie zur Wahl und nutzen Sie Ihre Stimme – für unser Miteinander und alles, was wir gemeinsam geschafft haben und noch schaffen wollen.