Housing First: Diakonie Nord Nord Ost startet Projekt für obdachlose Menschen
Im Auftrag der Hansestadt Lübeck werden Vermietende und Bedürftige zusammengebracht.
Eine Wohnung für obdachlose Menschen als ersten Schritt, ohne Auflagen wie feste Betreuungsregelungen oder eine laufende Therapie – das steckt hinter dem Konzept „Housing First“. „Es geht darum, Betroffenen einen direkten und unkomplizierten Weg von der Straße oder aus einer Notunterkunft in einen eigenen Wohnraum zu ermöglichen“, sagt René Bornmann, Abteilungsleiter bei den Sozialen Hilfen der Diakonie Nord Nord Ost. „Einzige Voraussetzung ist, dass die Teilnehmenden seit mindestens sechs Monaten dem Hilfesystem bekannt und in der Lage sind, konkrete Absprachen zu treffen.“
Das Housing First-Konzept wird bereits bundesweit in Städten eingesetzt. Die Hansestadt Lübeck hat sich in diesem Jahr ebenfalls dafür entschieden, es projektweise auszuprobieren und die Umsetzung an die Diakonie Nord Nord Ost übertragen. Damit ergänzt „Housing First“ jetzt die bestehenden Hilfsangebote der Organisation, wie die Beratungsstellen für Menschen in sozialen Notlagen, das Streetwork-Café „Mühle 77“ und die Suchtberatungsstelle. Das Projekt läuft über drei Jahre, die Hansestadt Lübeck stellt hierfür 100.000 Euro zur Verfügung.
„Mittlerweile sind wir mit der Umsetzung gestartet“, berichtet René Bornmann. „Wir stehen im Kontakt mit Privatvermietern sowie den Wohnungsbaugesellschaften und haben gute Aussichten, die geplanten zehn Wohnungen angeboten zu bekommen, um sie dann zu vermitteln.“ Bewerben können sich obdachlose Menschen für das Housing First-Projekt bei den Lübecker Beratungsstellen der Diakonie Nord Nord Ost in der Wahmstraße 60 sowie in der Moislinger Allee 11a. „Das Interesse ist sehr groß.“
Die Diakonie Nord Nord Ost steht den Teilnehmenden sowie den Vermietenden auch nach der Vermittlung zur Seite. „Wichtig und grundlegend ist bei Housing First allerdings, dass die Unterstützung auf Freiwilligkeit basiert“, sagt René Bornmann. „Das heißt, dass wir zwar im Austausch bleiben und unsere Beratung anbieten, sie aber nicht angenommen werden muss.“ Die Erfahrung sei allerdings, dass die Teilnehmenden sehr daran interessiert sind, ihre Situation zu festigen und zu verbessern. „Eine eigene Wohnung ist auf dem angespannten Wohnungsmarkt für unsere Klientinnen und Klienten ein echter Glücksfall“, sagt der Abteilungsleiter. Vermietende, die sich vorstellen können, eine Wohnung für das Projekt zur Verfügung zu stellen, können sich gerne bei den Sozialen Hilfen der Diakonie Nord Nord Ost melden unter: hf@diakonie-nordnordost.de.