„Schichtwechsel“: Für mehr Teilhabe und Inklusion in der Arbeitswelt

Menschen mit Behinderungen aus der Diakonie Nord Nord Ost hospitierten in unterschiedlichen Firmen - unter anderem in Lübeck.

Teilhabe auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt: Heute hieß es „Schichtwechsel“ für Beschäftigte aus der Werkstatt für Menschen mit geistigen Behinderungen aus der Diakonie Nord Nord Ost. Am bundesweiten Aktionstag hospitierten sie in Unternehmen in und rund um Lübeck.

„Es geht darum, Menschen mit Behinderungen auf kurzen und unkomplizierten Wegen Chancen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt und außerhalb der Werkstätten zu ermöglichen“, sagt Julia Hein vom Übergangsmanagement der Diakonie Nord Nord Ost. Zu oft würden die Werkstätten leider als Einbahnstraße verstanden. Aber während sie mit ihrem geschützten Rahmen für manche genau der richtige Arbeitsort seien, würden andere Menschen mit ihren individuellen Fähigkeiten viel besser auf den allgemeinen Arbeitsmarkt passen. „Darum ist der Schichtwechsel als eine Art Schnuppertag ideal: Die Menschen mit Behinderungen beweisen an attraktiven Arbeitsplätzen mitten in der Gesellschaft, was sie können.“ Durch die Begegnungen und einem Austausch auf Augenhöhe würden auch mögliche Vorurteile ihnen gegenüber weiter abgebaut. Es ginge darum, Inklusion zu leben.

Für gewöhnlich ist Christian Günther bei der Diakonie Nord Nord Ost in der Steinofenbackstube tätig. Beim „Schichtwechsel“ hospitierte er bei der EVG Landwege eG im Bistro-Bereich im Bio-Markt in der Lübecker Kanalstraße. „Mir hat das echt gut gefallen, das Team war auch total nett. Ich habe unter anderem Brötchen belegt und beim Ausschenken der Suppen zur Mittagszeit geholfen.“ Auch weitere Werkstatt-Kolleg*innen erhielten bei Landwege einen Einblick in den dortigen Arbeitsalltag.

„Als Genossenschaft stehen wir für gemeinschaftliches Handeln in allen Bereichen, so auch für die der Förderung von Menschen mit Behinderung“, sagt Sandra Bocks, Leitung Marketing & Kommunikation EVG Landwege eG, über die Gründe der Teilnahme am „Schichtwechsel“. „Wir wissen aus Erfahrung, dass integratives Arbeiten im allgemeinen Arbeitsmarkt für alle ein Gewinn ist.“

Laura Holst arbeitet normalerweise in der Wäscherei der Diakonie Nord Nord Ost. Für den „Schichtwechsel“ hat sie sich das UKSH ausgesucht – konkreter das Zentrum für Integrative Psychiatrie (ZiP). „Meine Mutter arbeitet im UKSH, so entstand die Idee, hier mal reinzuschnuppern.“ Beim „Schichtwechsel“ ging es für sie darum, bei der Assistenz für die Pflegenden zu unterstützen. „Ich habe zum Beispiel die Spülmaschine ausgeräumt, die Lebensmittel im Kühlschrank kontrolliert und Brötchen sortiert." Es sei für sie eine gute Erfahrung gewesen, der Schritt auf den allgemeinen Arbeitsmarkt sei für sie sehr aufregend und eine Herausforderung.

„Als Zentrum für Integrative Psychiatrie beteiligen wir uns am Aktionstag, weil wir davon überzeugt sind, dass dadurch neue Impulse für gelebte Inklusion gesetzt werden“, so Michéle Hilpert, Junior Pflegemanagerin im ZIP. „Gerade aus der psychiatrischen Versorgung wissen wir: Selbstwirksamkeit, soziale Teilhabe und Anerkennung sind zentraler Bestandteil von Genesung und Stabilität.“ Der heutige Perspektivwechsel stehe zudem für mehr Verständnis und Miteinander. „Wir sind stolz, Teil dieser Bewegung zu sein.“

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Das Übergangsmanagement der Diakonie Nord Nord Ost steht sowohl Menschen mit Behinderungen als auch Unternehmen und Betrieben beim gegenseitigen Kennenlernen zur Seite und begleitet den Einstieg ihrer Klient*innen in den Arbeitsmarkt auch längerfristig. Gerne informiert Julia Hein zu diesem Thema, sie ist unter Telefon 0152 02830143 oder julia.hein@diakonie-nordnordost.de erreichbar.

In diesen Firmen in und rund um Lübeck konnten sich Werkstattmitarbeitende der Diakonie Nord Nord Ost beim „Schichtwechsel“ ausprobieren:

  • Hansestadt Lübeck Ordnungsamt
  • Hansestadt Lübeck Talentwerkstadt
  • Hansestadt Lübeck Verwaltung
  • AB Games
  • EVG Landwege eG
  • Stadtwerke Lübeck
  • Hagebaumarkt
  • UKSH ZIP
  • McDonald´s
  • KiTa Mittenmang
  • Thalia Buchhandlung
  • Schwartauer Werke
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Verkäufer reicht einem Kunden eine Brötchentüte.
Christian Günther von der Diakonie Nord Nord Ost machte sich beim "Schichtwechsel" im Bistro-Bereich bei Landwege richtig gut.